Für Ungeduldige: In nur acht Schritten zur freien Rede.

„Ich bin so nervös.“

„Ich kann nicht frei sprechen.“

„Muss das mit der Kamera unbedingt sein?“

Diese Einwände höre ich immer wieder, wenn ich im Workshop „wirkungsvoll präsentieren“ meine Kamera auspacke, damit meine TeilnehmerInnen ihren Auftritt proben können.

Vor allem das freie Sprechen bereitet dabei häufig Probleme. Und statt wenigstens auf das auf dem Tisch vor einem stehende Notebook zu schielen, drehen sich manche Redner beim Präsentieren um und lesen ab, was auf dem Chart steht. Wozu führt das?

  • Sie verlieren den Blickkontakt zu Ihren Zuhörern.
  • Man kann Sie schlecht verstehen.
  • Es wirkt nicht besonders souverän.

Wie anders würde es wirken, wenn Sie völlig frei, nur mit einem kleinen Presenter „bewaffnet“ durch Ihre Präsentation gehen? Mal mit, mal ohne Chart im Hintergrund sprechen, zwischendrin Fragen stellen. Hier kommen meine acht Tipps zur Freien Rede.

 

1. Kaufen Sie sich einen Presenter.

Ich selber nutze den Logitech R400 Presenter – erhältlich bei amazon für 31,99 Euro. Nein, ich bekomme dafür keine Provision. Damit können Sie losgelöst von Pult, Tisch und Laptop frei durch den Raum spazieren. Die leichte Handbewegung beim Weiterklicken fällt kaum auf. Sie können das Chart auch ausblenden – sehr hilfreich, um nicht in einer PowerPoint-Schlacht zu landen in der ein Chart das nächste jagt. Ein positiver Nebeneffekt:  Das leidige Thema „Was mache ich nur mit meinen Händen?“ entfällt.

Warum dieser Schritt zuerst? Wenn wir etwas ändern wollen, macht es Sinn, ins TUN zu kommen. Wenn diese TUN dann auch etwas kostet, sind wir viel eher bereit, den Weg weiter zu gehen, weil wir ja schon etwas investiert haben. Und es macht Spaß, sich frei durch den Raum bewegen zu können, ohne immer die Pfeiltaste auf dem Laptop im Blick haben zu müssen.

 

2. Besorgen Sie sich ein schönes Notizbuch für Ihre Ideen.

Hier notieren Sie ab sofort Zitate, die Ihnen gefallen, Geschichten, die Sie gehört haben, Links zu guten Beiträgen im Internet. Einfach alles, was Ihnen täglich begegnet und sich in eine gute Rede einbauen lässt. Schreiben Sie außerdem nach jeder Präsentationssituation auf (muss ja nicht täglich sein), was Sie dieses Mal anders gemacht haben und wie das beim Publikum angekommen ist. Wählen Sie ein Format nicht unter DIN A5.

 

3. Schauen Sie jeden Tag ein youtube-Video…

… von einem der richtig guten Redner und notieren Sie sich, was Ihnen positiv auffällt. Das kann Steve Jobs sein, der Ihnen u.a. den dezenten Einsatz seines Presenters zeigt, Helmut Schmidt wegen seiner präzisen Antworten, Michelle Obama wegen ihrer Emotionalität, die weltberühmte Rede der Kinder zur UN Klimakonferenz 1992 in Rio de Janeiro reißt Sie sowieso mit, Poetry Slam by Julia Engelmann wegen der akzentuierten Aussprache oder wer auch immer Sie beeindruckt hat. Von jedem guten Redner können Sie etwas lernen. Die einen präsentieren am Rednerpult, was die Körpersprache einengt, die anderen nutzen ein Headset und bewegen sich auf der ganzen Bühne, die einen sprechen völlig frei, die anderen nutzen Charts. Die Top Speaker lernen übrigens auch ständig dazu. Die Devise dabei ist: Kapieren, nicht kopieren. Finden Sie raus, was zu Ihnen passt. Sie müssen auch nicht die kompletten 1,5 Stunden ansehen. Oft reichen 10 Minuten. Und die sind gut investiert. Was Ihnen positiv auffällt, wandert sofort in Ihr Notizbuch.

 

4. Stützen Sie Ihr Gedächtnis.

Profis nutzen einen Teleprompter, der vorne auf der Bühne steht und ihnen die wichtigsten Stichpunkte, teils auch ganze Sätze liefert. Das ist quasi eine Präsentation, die nicht gezeigt wird. Sozusagen eine digitale Souffleuse.

Wenn ich Ihnen sage, dass ich vor kurzem Backstage bei einem sehr bekannten Comedian war und zum Schluss dort sogar das Wort „Foto“ auf dem Teleprompter erschien, um ihn daran zu erinnern, dass er noch ein Foto vom klatschenden Publikum machen muss, spätestens dann wissen Sie, dass die Profis auch nur mit Wasser kochen.

Sie haben keinen Teleprompter? Das habe ich mir fast gedacht. Dann stellen Sie bitte Ihr Notebook so hin, dass Sie dort „spicken“ können. Und nutzen Sie die Referentenansicht Ihres Laptops. Das ermöglicht Ihnen, Charts auf Ihrem Laptop und Notizen dazu zu sehen und gleichzeitig etwas anderes oder auch mal gar nichts auf dem Beamer zu zeigen.

Noch einfacher ist es, mit Moderationskarten zu arbeiten. Auch die gibt es bei amazon. Das machen die Profis übrigens auch. Auf diesen Karten steht in Stichpunkten drauf, was Sie sagen wollen. Diese sollten Sie mindestens am Anfang und am Ende einsetzen. Und kleiner Tipp: Nummerieren Sie sie. Ich habe mal erlebt, wie einer Rednerin ihre Karten zu Boden fielen. Sie waren nicht nummeriert. Peinlich war nicht, dass Sie ihr runtergefallen waren. Peinlich war die hektische Sortieraktion danach. Und noch ein Tipp: Verwenden Sie für jedes Kapitel eine neue Farbe, mindestens aber einen Extra-Stapel. Mehr als fünf Karten in der Hand wirken unprofessionell.

 

5. Formulieren Sie Anfang und Ende. Wort für Wort!

Gerade, wenn Sie noch nicht so erfahren sind im freien Sprechen, macht es Sinn, den Anfang und das Ende vorzuformulieren und so gut einzuüben, dass Sie die Worte im Schlaf beherrschen. Warum? Weil Sie sich damit warmlaufen. Und weil Ihre Zuhörer Ihnen am Anfang und am Ende die größte Aufmerksamkeit schenken. Da müssen Sie top drauf sein! Auf den Moderationskarten steht dann beispielsweise nur stichpunktartig die Geschichte, die Sie am Anfang erzählen wollen und das Fazit, mit dem Sie enden wollen.

Für den Einstieg in einen Vortrag, eine Rede, eine Präsentation eignen sich übrigens insbesondere Anekdoten, Aphorismen, Zitate, Gedichte, Sprüche und eigene Erlebnisse.

 

6. Üben Sie mit der Reizworttechnik.

Wie das geht? Sie schreiben sich Begriffe auf Karten, die Ihnen tagtäglich begegnen. Oder Sie bitten ein Familienmitglied, Ihnen Begriffe (Substantive) aufzuschreiben. z.B. Bundestagswahl, VW-Abgasskandal, Baufinanzierung, Auto, Haus, Hamster, Nachbarin, Tür. Nehmen Sie sich drei Karten und entwickeln dazu eine Geschichte.

Baufinanzierung – VW-Abgasskandal – Nachbarin wird dann zu. „Als gerade im Fernsehen über den Abgasskandal berichtet wurde, kam meine Nachbarin vorbei. Ich sprach sie bei der Gelegenheit auf ihre Baufinanzierung an.“

Auto – Hamster – Bundestagswahl liefert z.B. folgende Geschichte: „Wenn ich heute mit dem Auto zu Einkaufen fahre, nehme ich gleich den Hamster mit zum Tierarzt. Und wenn ich dort warten muss, lese ich mir das Interview mit Martin Schulz zur Bundestagswahl durch.“

Es geht nicht darum, superseriös zu sein. Sie sollen kreativ sein und Worte miteinander verknüpfen, die sonst nichts miteinander zu tun haben. Damit kurbeln Sie ihre Kreativität an. Und sie lernen, Geschichten zu erzählen. Je weiter die Begriffe auseinanderliegen, desto spannender ist es:

Busfahrer – Gartenzwerg – Verbraucherschutz
Der Verbraucherschutz hat erklärt, dass die Farben, mit denen die Gartenzwerge der Firma XY bestrichen sind, gesundheitsschädlich sind. Das hat mir mein Busfahrer auf dem Weg in die Arbeit erzählt.

In meinen Workshops sorgt diese Übung immer für sehr viel Heiterkeit. Es wird viel gelacht und mit dieser Lockerheit gehen wir dann in die nächste Präsentationsrunde. Die läuft meist um Welten besser als alles zuvor. Warum? Weil meine TeilnehmerInnen merken, wie leicht es geht, wie lustig es ist und wie gut es tut.

 

7. Keine Macht dem „Ähm“.

Hand aufs Herz. Das ist doch eine der größten Hemmnisse, oder? Diese miniwinzige Wort, das sich so frech in unseren Redefluss einschleicht. Wie Sie es wegbekommen, habe ich hier schon mal beschrieben.

Sie positionieren sich an der Stirnseite eines Tisches oder eines Stuhlkreises und stellen sich vor, auf jedem Stuhl würde eine Person sitzen. Nun wählen Sie einen x-beliebigen Satz und wechseln bei jedem Wort den Blickkontakt von einem Stuhl zum nächsten. Also: Guten___Morgen___meine___Damen___und___Herren___es___ist___mir___ein___
Vergnügen___heute___mit___Ihnen___über___die___Neustrukturierung___im___
Nein, so präsentieren Sie nicht live, das ist nur zum Üben.

Danach fassen Sie Worte zusammen: Guten Morgen — meine Damen und Herren — es ist — mir ein Vergnügen — heute — mit Ihnen — über die Neustrukturierung — im Vertrieb — zu sprechen.

Sie werden merken: Sie sprechen langsamer, akzentuierter und … das „Ähm“ verschwindet.

Üben Sie das mit langen Sätzen aus Ihrer Tageszeitung.

Schreiben Sie mir, wenn Sie es ausprobiert haben an mk@presentationpower.de

 

8. Zeichnen Sie sich selbst auf.

Sie haben doch ein Handy? Jetzt brauchen Sie nur noch ein Stativ. Diese gibt es in verschiedenen Varianten. Für mein Handy nutze ich ein flexibles Stativ, das ich überall befestigen kann. Praktisch ist die Fernbedienung, mit der ich die Kamera auslöse. Filmen Sie kleine Sequenzen und schauen Sie sich an wie Sie auf sich selbst wirken. Zeigen Sie Ihre Mini-Auftritte auch anderen und holen Sie sich konstruktive Kritik.

 

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Die Autorin

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Melanie Kuhlmann ist Diplom-Betriebswirtin, Business Coach (DVCT) und zertifizierter Reiss Profile Master für Motivprofilanalyse. Sie lebt mit ihrer Familie in Fürstenfeldbruck bei München.

Sie ist Autorin zahlreicher Lehrgänge zum Thema Visualisierung, Präsentieren und Change Management.

Melanie Kuhlmann leitet Entwicklungsprogramme für (Nachwuchs-) Führungskräfte, betreut Manager in der Entwicklung ihrer sozialen und kommunikativen Kompetenzen, führt Präsentationsworkshops und -trainings durch. Darüber hinaus berät sie Unternehmen in der Konzeption und Gestaltung von PowerPoint-Präsentationen. In den letzten 18 Jahren hat sie mehr als 1.000 Projekte in über 15 Branchen betreut. Zu ihren Seminarteilnehmern zählen Mitarbeiter aus Unternehmen von A wie Asset Management über Chemie, Maschinenbau, Pharma, Versicherungen und Wirtschaftsprüfung bis hin zu Z wie Zulieferer der Automobilindustrie.

Referenzen im Präsentations-Coaching

1 & 1 Internet AG, Montabaur
almeda GmbH, München
BASF Aktiengesellschaft, Ludwigshafen
badenova AG und Co. KG
BayWa AG, München
Bildungswerk Badenwürttemberg
Contool AG, St. Gallen
CorpusSireo, Heusenstamm
DIS AG, Heidelberg
EuropAssistance, München
Generali Versicherungen, München
HypoVereinsbank (UniCredit) AG, München
Johnson & Johnson, Düsseldorf

Lidl Stiftung & Co. KG, Neckarsulm
Management Circle AG, Eschborn
Münchener Rückversicherung AG
Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Proventis GmbH, München
TCW Unternehmensberatung, München
Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
United Internet Media AG, Montabaur
Valeo Schalter- und Sensoren-GmbH
Volksbank Gießen, Gießen
Volksfürsorge, Hamburg
Walt Disney Company (Germany) GmbH

„Das Präsentationsseminar von Melanie Kuhlmann hebt sich positiv vom allgemeinen Seminareinerlei ab. In lockerer Atmosphäre wechseln sich in kleinem Kreis Ausbildung, praxisnahe Übungen und Feedback ab.“

Ralf Kleinschroth , Manager Investor Relations, Münchener Rückversicherungs AG, München